Der SWR, die neue Innovationsmaschine?

Im Medienmagazin von radioeins haben Jörg Wagner und ich SWR-Intendant Kai Gniffke und die Leiterin seines neuen XLabs, Vanessa Wormer, besucht.

für radioeins

— Zeitmarken des Podcasts —
[00:00] INTRO: Hexenküche 2009 | [01:54] Innovationsgespräch (1) mit Dr. Kai Gniffke und Vanessa Wormer | [10:23] Innovationsgespräch (2) | [20:48] Innovationsgespräch (3) | [31:14] Innovationsgespräch (4) | [49:48] Bonus: Der SWR 3 Jahre nach der Fusion aus Gewerkschaftssicht #r1MM 20.10.2001 [49:48] Bonus: Die Intendantensicht von Peter Voß #r1MM 01.12.2001

>> Download MP3 (Quelle: radioeins-“Medienmagazin”/wwwagner.tv)

Journalist aus Code

Was kann Roboterjournalismus wirklich?

für NDR Fernsehen

— gemeinsam mit: Melanie Stein —

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Dieser Beitrag wird hier lediglich als Arbeitsprobe präsentiert. Die Rechte etwa für Vervielfältigungen liegen beim NDR.

Manuskript des Beitrags
Der Alltag in Redaktionen ändert sich. Oft belächelt, skeptisch betrachtet: Roboter – sie dringen in den Arbeitsbereich von Journalisten ein. Können sie wirklich Redakteure aus Fleisch und Blut ersetzen?

Maschinen für den Journalismus – die Medienszene aufgeregt: Sie befürchtet Texte in „Null komme nichts“, „Spielberichte aus dem Automaten“. „Nehmen Roboter allen Journalisten den Job weg?“

Saim Alkan, Geschäftsführer Aexea
„Für ungefähr 50 Prozent der Inhalte, die heute in einer Tageszeitung stattfinden, gibt es bereits heute strukturierte Daten. Das heißt, es wird viel Routine gemacht, es wird viel Routine geschrieben und die wäre tatsächlich auch schon abbildbar.“

Abbildbar über ein System, das die Sprachwissenschaftler und Programmierer von Aexea entwickeln. Der Roboterjournalist – in Wirklichkeit eine Software. Software, die Datenbanken anzapft und daraus Texte erstellt.

Saim Alkan, Geschäftsführer Aexea
„Eigentlich ist die Maschine der beste Volontär, den man je haben kann. Sie spricht elf Sprachen derzeit, produziert 90 Millionen Texte am Tag, wenn es gewünscht wäre. Und das ist ein Volontär, dem ich etwas ein Mal sage und danach tut’s die Maschine auch.“

Fähigkeiten, die manche Medien bereits zu schätzen wissen. So lässt sich der Finanzdienst DPA AFX vom Roboter zuarbeiten. Und auch „Morgenpost“-Leser, die sich über Feinstaubwerte in Berlin informieren, lesen Texte, die Roboter geschrieben haben.

Besonders experimentierfreudig: Sportredaktionen. So wie der Sportinformationsdienst SID. Bislang haben die Journalisten wichtige Termine in Tabellen zusammengetragen. Jetzt engagiert Techniker Jens Wagner Roboter, die daraus ganze Sätze formulieren.

Jens Wagner, Leiter Technik SID
„Die Daten schicken wir so, wie wir sie in der Datenbank haben, zu Aexea und von Aexea bekommen wir dann einen Texte zurück. Sie sehen, dass aus den reinen Daten, die wir in der Datenbank haben, dann ein Text entsteht: Alle Fußballfans können sich auf die Auslosung des Europ-Pokalspiels in Nyon freuen.“

Für die „FussiFreunde“ von Radio Hamburg schreibt eine Software sogar ganze Vorberichte. Seit Ende April lässt die Redaktion Roboter für sich arbeiten.

Dirk Becker, Chefredakteur „FussiFreunde“
„Dank der automatisch generierten Texte haben auch untere Spielklassen jetzt auf einmal Vorberichte. Das war vorher schlicht von der Man-Power nicht zu lösen.“

Maschinen als Arbeitskraft – gefällt nicht jedem. Noch vor ein paar Jahren hat Hans-Jürgen Jakobs für den Sport auf „süddeutsche.de“ damit experimentiert. Doch auch als „Handelsblatt“-Chef bleibt er skeptisch.

Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur „Handelsblatt“
„Journalismus hat immer mit Überraschung zu tun. Und bei Algorithmen gibt es keine Überraschungen. Da gibt es nur Programmierungen. Der Journalismus lebt davon, lebt von der Zäsur, von dem Bruch, ja, es auch ganz anders zu machen. Er lebt von dem, auch von den gedanklichen Exzessen, wenn Sie so wollen. Und das alles ist dieser berechenbaren Welt fremd.“

Wir zeigen dem Chefredakteur zwei Versionen einer Geschichte: Welche hat ein Roboter geschrieben, welche ein Journalist? Er erkennt den menschlichen Text sofort.

Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur „Handelsblatt“
„Die Unterschiede sind nicht sehr groß. Aber beim zweiten Text ist zu spüren, dass der vermutete Autor ein bisschen Stimmung erzeugen wollte und ein vorgezogenes Resümee zieht, um in den kleinen Text einzuführen.“

Für Medienprofis klar – für Leser nicht ganz eindeutig. Untersuchungen zeigen eine Trefferquote von 50 Prozent. An der Universität München hat Mario Haim die Wirkung von Robotertexten erforscht.

Mario Haim, Universität München
„Der computergenerierte Text kam bei den Leuten als qualitativ hochwertiger an. Das bedeutet, der computergenerierte Text wurde von den Leuten als objektiver wahrgenommen, als fairer beschrieben, als ausgewogener berichtet. (…) Die Leute haben also dem Computer mehr Kompetenz und mehr journalistische Qualität für den Artikel zugeschrieben.“

Geschwindigkeit und Glaubwürdigkeit – es spricht viel für den Text-Roboter. Werden Journalisten tatsächlich überflüssig?

Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur „Handelsblatt“
„Ich fürchte, dass der eine oder andere glaubt, auf diesem Wege kann man sich Redaktionen ersparen und einsparen, um die Kostensituation besser zu haben. Das ist ja schon dann auch so, dass mit diesen Argumenten dann Druck ausgeübt werden kann auf die Redakteure, um zu sagen: Nun zeigt uns mal eure Legitimation: Wenn das Maschinen auch können, ja, was macht euch dann so Besonderes?“

Jens Wagner, Leiter Technik SID
„Die Diskussion hatten wir bei uns im Haus auch. Die Redakteure haben gesagt: Ja, wo geht das hin? Hinterher braucht’s den Reporter nicht mehr. Das konnte ich aber den Kollegen erklären, dass es unsinnig ist, dass es immer die Notwendigkeit für einen Reporter geben wird oder für einen Redakteur, die Texte schreiben, die einfach viel aufwändiger sind.“

Robotertexte: ein zusätzliches Angebot. Denn die Maschine kann zwar erstaunlich viel, aber bei weitem nicht alles. Der Journalist – dem Roboter in vielem Voraus.

Mario Haim, Universität München
„Er ist linguistisch feiner. Er verbaut vielleicht Humor. Er verbaut neue Kunstwörter. Er kann Interviews führen. Der Roboter ist darauf angewiesen, dass diese Interviews vorhanden sind und dass ihm irgendwann mal jemand gesagt hat, welche linguistischen Feinheiten es denn so gibt.“

Die Angst der Journalisten vor den neuen Roboter-Kollegen – auch aus Sicht der Entwickler – häufig übertrieben.

Saim Alkan, Geschäftsführer Aexea
„Wir werden in vielen Fällen wirklich als Bedrohung gesehen, nicht als Ergänzung. Weil auch noch nicht bekannt ist, wo die Grenzen dieser Software tatsächlich liegen. Und sie hat natürlich Grenzen. (…) Alles was routiniert abläuft, ist abbildbar. Ein Artikel beispielsweise, ob Herr Gauck eine zweite Amtszeit eingehen sollte oder nicht, den werden wir nie schreiben können.“

Meinung, Recherche, Einordnung – Roboter können das nicht. Doch wenn es um Fakten geht, um Schnelligkeit, sind sie unschlagbar. Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – eine große Chance für den Journalismus.

(Quelle: NDR-“Zapp”)

Umgarnen und sanktionieren

Wie IT-Konzerne wie Apple mit Journalisten umgehen

für NDR Fernsehen

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(Quelle: NDR-“Zapp”)

Die Erinnerung bekommt Lücken

An Ton- und Videoaufnahmen nagt der Zahn der Zeit: Teils einmaliges Material ist schon verloren gegangen. Archive digitalisieren ihre Bestände, doch das ist ein langwieriges und teures Geschäft

für Süddeutsche Zeitung

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Digitale Archive

Archivare müssen nicht nur Archive pflegen, sondern auch antike Hard- und Software, mit der sich anno dunnemals gespeicherte Daten lesen lassen.

für ZDFinfo

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Manuskript des Beitrags
Jörg Wagner aus Berlin ist Radiojournalist und liebt Geräusche. Und er hat ein Ziel. Ein Klangarchiv der DDR aufzubauen und für die Nachwelt zu erhalten. Damit sich die Menschen auch in 100 Jahren noch am Sound des Sozialismus erfreuen können.

“Ich sammle eigentlich alles was sich irgendwie mit Tönen speichern lässt. Das kann eine alte Frösi Schallplatte sein. Das ist eine uralte Kinderzeitschrift aus der DDR […] Das kann auch ein Trabbi-Geräusch sein, weil die Trabbis werden irgendwann mal aussterben und dann hat man den Trabbi konserviert und kann ihn immer wieder abspielen und sagen, so klang der mal.”

Aber Hobby-Archivare wie Wagner haben ein Problem: Den Zahn der Zeit. Denn egal ob Schallplatte, Kassette, CDs oder Festplatte – keines seiner Speichermedien ist für die Ewigkeit gemacht. Und deshalb hat er nicht nur Freude an seinen Schätzen, sondern auch Angst diese wieder zu verlieren.

“Bei mir sind inzwischen in meinem Leben vier schöne große Festplatten, die auch vom Hersteller als super langlebig charakteristiert wurden, mittlerweile weggeraucht. Letztenendes ist das nach wie vor so eine Art Nitroglycerin-, Russisch-Roulette-Geschichte, dass man nie weiß, wann geht was hoch.”

Wagner hat sich daran gewöhnen müssen, dass es in seinem Archiv die 100%ige Datensicherheit nicht geben kann. Aber Festplattencrashs bedrohen nicht nur private Datenschätze. Auch staatliche Archive kämpfen gegen Erdmagnetismus, Luftfeuchtigkeit und Bandsalat. Fest steht: Unser kollektives Gedächntnis ist in Gefahr. Jens Niederhut gibt als Archivar beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen keinen Audio- und Videoschnipsel über den SED-Überwachungsstaat verloren. Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen.

“Wir haben die Bänder ja schon in einem Zustand übernommen, der nicht optimal war. Sie sind schon bei der Staatssicherheit oft benutzt worden, nicht optimal gelagert worden. Das heißt, da sind wir jetzt wirklich an einem Punkt, wo diese Zerfallsprozesse nicht mehr zu stoppen sind.”

Im Stasi-Archiv lagert, was das ostdeutsche Regime während der Wende am liebsten noch schnell vernichtet hätte: die Akten seiner Spitzel, aber auch viele Ton- und Videodokumente, Abhörprotokolle und Mitschnitte von Vernehmungen. Das historisch einmalige Archiv eines Überwachungsstaates. Vieles davon ist weder erschlossen noch digitalisiert. Und als wäre es nicht schon schwierig genug diesen Bestand für die Nachwelt zu erhalten, haben Niederhut und seine Kollegen ein weiteres Problem. Die technisch längst überholten Video- und Tonformate überhaupt abzuspielen. Deshalb muss nicht nur das Archiv selbst, sondern auch ein Gerätepark von vorgestern in Schuss gehalten werden.

“Wir kaufen Ersatzteile überall dort, wo wir sie bekommen können. Das heißt: online, auf dem Flohmarkt, bei Sammlern, aber damit wird natürlich irgendwann Schluss sein. Also die Technik verschwindet nach und nach.”

Reinhard Altenhöner ist bei der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt verantwortlich für die Langzeitarchivierung des Bestandes. Hier speichert man die Daten gleichzeitig in mehreren Großrechnern, verteilt auf unterschiedliche Standorte. Angst die Daten zu verlieren hat Altenhöfer zwar nicht, dafür aber eine andere Sorge: Wer kann diese Dateien in 100 Jahren noch lesen?

“Je ungewöhnlicher ein Format, desto schwieriger ist das. Manchmal gibt es Formate, die hängen an einer Firma und die Firma ist meinetwegen in Konkurs gegangen und es gibt nichts mehr auf neueren Betriebssystemumgebungen, was man da nutzen könnte. Dann haben wir ein Problem.”

Beim Digitalisieren von Büchern, Musik und Filmen setzen Archivare deshalb inzwischen auf offene Standards, die gut dokumentiert sind. Viel schwieriger zu erhalten ist Software, etwa alte Lernprogramme. Auch diese soll die Nachwelt noch daddeln können.

“Da beginnt dann wirklich die große Suche. Es kann sein, dass man wirklich nur mit einem Emulator weiterkommt, eine Computerumgebung, die dann vorgaukelt der Software, ich bin hier noch deine alte vertraute Windows-95-Umgebung.”

Egal ob man ein Geräuscharchiv, die Stasiunterlagen oder einen kompletten Bibliotheksbestand erhalten möchte. Archivierung ist auch im Zeitalter vernetzter Serverfarmen mehr als ein Festplattenbackup in der Cloud. Jeder neue Technikstandard bedeutet für Archivare ein neues Problem, auf das sie sich einstellen müssen. Und auch der Durchnitts-PC-User zu Hause sollte hin und wieder nachschauen, ob seine Datenschätze überhaupt noch da sind.

>> Beitrag auf YouTube (Quelle: “Elektrischer Reporter”)