radioeins-“Medienmagazin” vom 22. Februar 2020

In unserer radioeins-Sendung blicken Jörg Wagner und ich auf die Empfehlung der KEF für einen neuen Rundfunkbeitrag, dazu die Reaktionen in Politik und Sendern.

für radioeins

>> Download MP3 (Quelle: radioeins-“Medienmagazin”)

Super-Mediathek: ARD-Chef sagt YouTube & Co. Kampf an

für NDR Fernsehen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.
Manuskript des Beitrags
Der Medienmix von heute: Fernsehen über Youtube, Netflix oder Amazon Prime: ein reiches Angebot, gut sortiert, mit passenden Vorschlägen für die Nutzer. Dazu: Google zum Nachschlagen. Und Facebook – für den bequemen Austausch mit Freunden. Gemeinsam sind sie die digitale Heimat für Milliarden Nutzer. Dabei sind all diese Angebote Produkte von Firmen aus den USA.
Und Europa? Beispiel Deutschland. Die digitalen Angebote: klein und zersplittert. Für Nutzer: unbequem. Soziale Medien, die auch Nutzer vernetzen: Fehlanzeige.
Er findet das unerträglich: Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD. Seit Monaten trommelt er für einen Gegenentwurf. Seine Vision, auch auf den Münchner Medientagen.
„Ich glaube, bin wirklich davon überzeugt, dass wir eine europäische Alternative entwickeln sollten, die wir dann neben die Dominanz von Facebook, Youtube, Google stellen können.“
Wilhelm will, dass Medien in Deutschland ihre Power und ihre Inhalte bündeln. Seine Vision: eine Art „Supermediathek“. Am liebsten sogar: für ganz Europa.
„Ich halte es für realistisch, wenn Europa seine Kräfte bündelt. Als Airbus noch ein Konzept war, sagte auch jeder, es ist völlig sinnlos gegen Boeing anzutreten.“
Die Supermediathek, ein politisches Projekt wie einst Airbus? Für Sascha Lobo, den Digitalexperten und Autor, taugt dieser Vergleich des ARD-Vorsitzenden nicht.
„Als man sich entschieden hat, in Europa Airbus herzustellen, da musste man ein halbes Dutzend Flugzeug-Einkäufer überzeugen und das war’s. Und zwar Flugzeug-Einkäufer, die eine sehr große Übereinstimmung haben mit den jeweiligen nationalen Interessen, die man als Bundeskanzlerin ansprechen kann. Wenn man aber viele hunderte Millionen Bürgerinnen und Bürger überzeugen muss, dann ist völlig egal, was Frau Merkel sagt. Und dann ist total schnurz, ob irgendeine Internet-Ministerin sagt, das hier kommt aber aus Deutschland oder die Server stehen in Europa. Dann muss man sich im digitalen Alltag beweisen.“
Das Problem: Konzerne wie Google und Facebook sind technologisch weit voraus. Im Netz inszenieren sie ihre Rechen- und Speicherkraft mit Standorten auf der ganzen Welt. Und überhaupt: Die US-Konzerne haben die Nutzer. Facebook mehr als zwei Milliarden weltweit. Sie will Facebook halten, baut dafür das Angebot stetig aus, auch im Bereich Video. Im Sommer stellt Mark Zuckerberg „Watch Party“ vor. Freunde treffen sich auf Facebook, um gemeinsam Videos zu schauen, parallel können sie miteinander chatten.
„Du kannst zusammen lachen. Zusammen weinen. Einige meiner Freunde haben das wirklich gemacht! (Lacht)“
Lobo weiß: Ihr Entwicklungstempo hat Facebook und Youtube so erfolgreich gemacht. Für die Vision Ulrich Wilhelms eine enorme Hürde.
„Die Mediatheken sind zwar auf einem richtigen Weg, aber da auch erst am Anfang. Es beginnt damit, dass sie häufig aufbauen auf veralteten Technologien und nicht Schritt halten mit der sehr großen Entwicklungsgeschwindigkeit. Es gibt einen Begriff, der ist schon über 10 Jahre alt im Internet, der nennt sich ‚perpetual Beta‘. Das bedeutet, dass man ständig sein Produkt weiterentwickelt, nie fertig ist, immer versucht es zu verbessern anhand der Daten der Nutzer entlang. Und das hat man in ganz vielen Bereichen in Deutschland noch nicht verstanden.“
Anfang dieser Woche in Berlin: ein Kongress mit Medienmanagern und Politikern. Die Sehnsucht nach einer starken heimischen Plattform: Sie ist da.
„Warum sollten die Europäer da nicht mal führend sein? – wo man alle Medien zulässt und wo alle dann nach der Zahl der Klicks, die aufgerufen werden, ihren Anteil an den Einnahmen haben. Wo es möglich ist, Werbeeinnahmen zu erzielen, die nicht in den Kassen von Google und von Amazon und von Facebook gehen.“
Doch nicht einmal bei den öffentlich-rechtlichen sind alle Fans einer „Supermediathek“. Der Intendant des ZDF fürchtet den Bedeutungsverlust.
„Man sieht es zum Beispiel an der ‚heute show‘. Die wird linear mit Wiederholungen so ungefähr von fünf Millionen gesehen und mittlerweile 600.000 sehen Sie in der Mediathek – komplett übrigens. Wir wissen, in Youtube sind es auch noch mal einige Hunderttausend. Wir wissen das nicht ganz genau. Das ist ein Zustand, mit dem ich leben kann. Jetzt zu sagen, wir geben das alles auf für etwas anderes, ist mir viel zu früh und auch zu riskant.“
Die wohl größte Hürde: unterschiedliche Interessen. Die einen bieten Inhalte kostenfrei an. Andere wollen Geldverdienen. Sender sollen dabei sein, aber auch Verlage – mit Text. Sogar Inhalte von Nutzern sollen rein.
Die „Supermediathek“ soll irgendwie alles sein. Doch wenn sich nicht mal ARD und ZDF einig sind, wie dann Deutschland – oder Europa?
Man könnte sagen, es ist ein mutiges Projekt, was Sie da anstoßen wollen, oder extrem naiv. Wo positionieren Sie sich?
(Lacht) „Na ja. Für Naivität, glaube ich, bin ich schon zu alt. Hier geht es aber um etwas und deshalb bin ich so leidenschaftlich. Hier geht es um die Werte, nach denen wir leben wollen. Es geht um Glaubwürdigkeit von Inhalten.“
Ein Visionär – oder nur ein Mann mit Visionen? Es fehlt ein konkreter Entwurf. Was soll die „Supermediathek“ wirklich sein – und was besser nicht?
>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Sparen bei ARD & ZDF

Geht es jetzt ans Programm?

für NDR Fernsehen

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem Du auf "Übernehmen" im Banner klicken.

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Leeres Versprechen

Kaum Inhalte für Ultra HD

für WDR5

Manuskript des Beitrags
Auszug Sony Werbung „4K-TV“

Die Werbung verheißt mal wieder eine Revolution im Wohnzimmer, diesmal: noch brillantere, noch geschliffenere, noch schärfere Bilder als je zuvor – in den Spots präsentiert mit farbenfrohen Aufnahmen und einem Versprechen wie diesem:

„Vier mal mehr Details als Full-HD: Der neue Sony 4K-TV.“

Vier mal mehr Details – das klingt natürlich gut. Wer sich dieser Tage einen neuen, großen Fernseher zulegt, der kommt ohnehin fast nicht mehr vorbei an dem nun superhochauflösenden Standard. Doch was bringt der, wenn das Angebot dafür fehlt? Und genau so sieht es derzeit aus: Fast alle Sender halten sich bei dem Thema zurück, das unter den Begriffen „4K“ und „Ultra HD“ läuft.

„Ehrlich gesagt, das ist mir zu ultra,“

sagt etwa Thomas Bellut. Der Intendant des ZDF führt aus, was auch die anderen frei empfangbaren Sender unisono auf Anfrage erklären – auch die ARD, RTL und sogar das sonst so experimentierfreudige Arte: Man sei froh, die Technik hinter den Kulissen auf HD umgestellt zu haben. Das sei aufwändig und teuer genug gewesen.

„Also da warte ich jetzt gelassen ab. Denken Sie an 3D: Hochgelobt, alle dachten, das kommt – und was hat der Markt gesagt? Ne! Also das sollte man ganz genau prüfen.“

Wer sich mit Fernsehingenieuren in den Sendern unterhält, der erfährt auch dies: Der Standard 4K wird zwar schon verkauft, ist aber noch gar nicht ausentwickelt. So soll das Bild noch kontrastreicher werden. Und auch die Frequenz, in der neue Bildsignale von den Sendern zu den Geräten geschickt werden, soll steigen. Erst dann sei das Paket „Ultra HD“ richtig geschnürt und auch neue Investitionen wert.

Eine weitere Hürde, die es bei der Umstellung vom klassischem HD auf Ultra HD, also 4K, zu meistern gilt, sind die Datenmengen, wenn es darum geht, Live-Programme oder auch Filme auf Abruf über das Internet zu transportieren.

„Ultra HD setz jetzt nicht nur einen neuen Qualitätsstandard, was das Bild und den Ton angeht, sondern auch hohe technische Anforderungen,“

erklärt Male Reinhardt von der Telekom. So wie Vodafone übertrag auch sie nicht nur Datenpakete aus Mediatheken zu den Nutzern, sondern bietet auch klassische Fernsehprogramme an, die dann ebenfalls übers Netz zu den Geräten kommen.

„Wenn man jetzt davon ausgeht, dass ein HD-Stream sich irgendwo zwischen einer Bandbreite von fünf bis elf MBit in der Sekunde bewegt, haben wir bei Ultra HD – deswegen ja auch der Name 4K – im Grunde das Vierfache davon. Das heißt, die Bandbreite, die benötigt wird, steigt extrem an.“

Die Internetprovider bauen deshalb ihre Netze aus. Aber auch der Kunde braucht einen leistungsfähigeren Anschluss und den gibt es bekanntlich nicht überall. Hinzu kommt, dass auch die Receiver, die die Signale empfangen und für den Fernseher aufbereiten, meist nachgerüstet werden müssten, damit auch sie 4K verstehen.

Gleichzeigt arbeiten aber sehr wohl einige Spezialanbieter daran, zumindest einzelne Sendungen superhochauflösend zu zeigen. Die Online-Videothek Netflix, die nun auch in Deutschland verfügbar ist, bietet erste US-Serien auch im Standard 4K an – wenn der Internetanschluss des Kunden das schon hergibt. Und auch der Münchner Bezahlsender Sky bereitet einen 4K-Kanal vor, denn als Abo-Kanal müsse man ja

„den Kunden etwas bieten, was sie woanders nicht finden und dazu gehört natürlich Ultra HD dazu, das erwarten auch unsere Kunden von uns,“

sagt Sky-Sprecher Moritz Wetter. Sein Sender wolle möglichst als erster einen eigenen Kanal mit 4K-Inhalten übertragen, etwa über Satellit. Der kann schließlich alle mit großen Bandbreiten versorgen – auch auf dem Land. Derzeit optimiert Sky seine Übertragungstechnik. Kurz vor Weihnachten hat der Sender dafür etwa ein Konzert in Stuttgart in Ultra HD übertragen, an ein Kino in München sowie an vier Testhaushalte und eine Sportsbar. Es war nicht der erste Versuch mit Bildern in 4K.

„Zum Beispiel haben wir das gemacht beim Bundesliga-Spiel Bayern gegen Bremen in der vergangenen Saison, auch im Sommer beim Super Cup im Dortmund. So nähern wir uns immer weiter einem Regelbetrieb an.“

Doch auch wenn Sky demnächst ein paar Fußball-Partien und Konzerne in Ultra HD übertragen sollte, bleibt für den Großteil der Fernsehzuschauer 4K erst mal ein Standard ohne Inhalt.

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)