radioeins-“Medienmagazin” vom 22. Februar 2020

In unserer radioeins-Sendung blicken Jörg Wagner und ich auf die Empfehlung der KEF für einen neuen Rundfunkbeitrag, dazu die Reaktionen in Politik und Sendern.

für radioeins

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18,36 Euro – der neue Rundfunkbeitrag?

Für die Hörfunksender der ARD und die Deutschlandfunk-Programme habe ich die Hintergründe der geplanten Erhöhung des Rundfunkbeitrags berichtet.

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Rundfunkbeitrag soll um 86 Cent steigen

Für tagesschau.de habe ich berichtet, wie die Finanzkommission KEF auf 18,36 Euro kommt und warum die Sender meinen, dass das trotzdem eine Kürzung sei.

für tagesschau.de

Beitragszahlerinnen und Beitragszahler sollen vom Januar nächsten Jahres an 86 Cent mehr pro Monat und Haushalt für ARD, ZDF und Deutschlandradio bezahlen – statt wie bisher 17,50 Euro dann 18,36 Euro. Das hat die Finanzkommission KEF vorgeschlagen, die im Auftrag der Länder die Finanzen der Rundfunkanstalten prüft.

Doch auch wenn der Rundfunkbeitrag steigen sollte, rechnen die Sender mit Kürzungen. Der Vorsitzende der ARD, WDR-Intendant Tom Buhrow, kündigte an, in den Angeboten müssten bei dieser Beitragsanpassung “Prioritäten” gesetzt werden.

Prüfung alle zwei Jahre

Die Höhe des Rundfunkbeitrags hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist zum einen der Auftrag: Welche Programme und Plattformen sollen die Sender überhaupt betreiben? Das legen die Länder, die für Medienpolitik zuständig sind, im Rundfunkstaatsvertrag fest.

Die Sender ermitteln alle zwei Jahre, wie viel Geld sie brauchen. Die Finanzkommission KEF prüft, ob diese Prognosen stimmen. Am Ende steht eine Zahl, wobei der Vorsitzende der KEF, Heinz Fischer-Heidlberger, betont, es sage erstmal wenig aus, ob der Beitrag nun bei 17,50 oder bei 18,36 Euro liege. “Das Maß ergibt sich erst, indem man den Beitrag multipliziert mit der Zahl der Wohnungen, der Kraftfahrzeugen, der Betriebe und was sonst noch dazu gehört.”

Mehr Carsharing, mehr Beiträge

Die KEF geht in ihrem mehr als 400 Seiten umfassenden Prüfbericht letztlich davon aus, dass mehr einzelne Beiträge gezahlt werden müssen. Zum einen kalkuliert die KEF damit, dass der Trend zu mehr Single-Haushalten anhält. Außerdem dürften “neue Mobilitätskonzepte” wie Carsharing und Sammeltaxis mehr gewerbliche Autos und Kleinbusse auf den Markt bringen. Für gewerbliche Fahrzeuge fallen – im Gegensatz zu privaten Autos – ebenso Rundfunkbeiträge an wie für Betriebsstätten.

Außerdem habe die Befreiung von Zweitwohnungen vom Rundfunkbeitrag nicht zu so einem großen Ausfall geführt wie einst von den Sendern erwartet worden sei.

Rotstift bei den Personalkosten

Unter anderem mit dieser Prognose hat die KEF die Anmeldungen der Sender gedrückt. ARD, ZDF und Deutschlandradio sahen – verteilt auf die nächsten vier Jahre – insgesamt einen ungedeckten Finanzbedarf von etwa drei Milliarden Euro: Geld, das benötigt würde, um die Plattformen und Programme zu betreiben, die die Länder im Rundfunkstaatsvertrag vorgeben. Die Finanzkommission sieht nach ihren Berechnungen hingegen nur eine Lücke von 1,8 Milliarden Euro. Um sie zu schließen, soll der Beitrag auf 18,36 Euro steigen und nicht darüber hinaus.

Die KEF hat bei den Berechnungen der Sender unter anderem bei den Personalkosten den Rotstift angesetzt: Einige Sender bezahlten zu gut – jedenfalls verglichen mit dem öffentlichen Sektor. Dazu kommen sogenannte Eigenmittel einiger Sender. Geld, das etwa für Bauprojekte vorgesehen ist, eingespart wurde oder auch Rundfunkbeiträge, die einige Sender zusätzlich erhalten haben, weil in ihrem Sendegebiet überraschend mehr Rundfunkbeiträge anfielen als erwartet.

Zwölf Jahre nicht angehoben

Die Sender betonen: Die frühere Rundfunkgebühr und der heutige Rundfunkbeitrag seien zwölf Jahre lang nicht angehoben worden. Derzeit würden zudem Rücklagen verwendet. Die seien aber zum Jahresende weitgehend aufgebraucht. Um das ebenso wie die Inflation auszugleichen, bräuchte es einen höheren Beitrag, sonst wäre mehr dennoch weniger. Außerdem laufe eine “tiefgreifende Strukturreform”.

Der ARD-Vorsitzende Buhrow sagt, bei den bisherigen Sparrunden hätten es die Sender “geschafft, das Programm weitestgehend zu verschonen”, indem hinter den Kulissen, bei Produktion und Verwaltung, effizienter gearbeitet würde. “Wenn es jetzt sozusagen noch weniger sein soll und wir noch mehr wirtschaften sollen, dann sind wir an einem Punkt, an dem wir auch im Programm Prioritäten setzen müssen.”

Etat für die Sportrechte wird eingefroren

Welche Angebote die ARD zurückfahren oder gar streichen wird, wollen nun die Intendantinnen und Intendanten beraten. Um die kleineren Sender Radio Bremen und den Saarländischen Rundfunk zu stützen, hatten sich die Chefs der neuen ARD-Anstalten bereits Anfang Februar darauf verständigt, mehr Geld in den ARD-internen Finanzausgleich zu stecken. Dafür werde der Etat für die Sportrechte eingefroren.

In ihrem Bericht an die Rundfunkkommission der Länder erkennt die Prüfkommission KEF viele bereits laufende Sparprogramme der Sender ausdrücklich an. KEF-Vorsitzender Fischer-Heidelberger sagt aber auch, dass den Prüferinnen und Prüfern beim Blick auf diese Maßnahme weitere Ideen gekommen seien. “Wenn man einmal angefangen hat, kommt man sehr schnell darauf, dass da noch weitere Potenziale sind”, sagte Fischer-Heidlberger.

“Wir sind mit dem ersten Aufschlag bezogen auf die Einsparungen erstmal zufrieden gewesen”, sagte die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Das müsse nun weitergehen. Die KEF habe ganz konkrete Vorschläge für weitere Einsparungen beispielweise durch Kooperationen gemacht, so Dreyer. “Und das bleibt der Auftrag auch für die Zukunft, auch wenn es jetzt zu einer Beitragserhöhung kommt.”

Alle müssen zustimmen

Im Bericht heißt es, die Kommission erwarte “dass die Anstalten größte Anstrengungen unternehmen, um die erkennbaren Wirtschaftlichkeitspotenziale zu realisieren”. Explizit genannt wird die Auslastung der Studios. Das ZDF könne zudem viel erreichen, indem es Teile der IT auslagere.

Damit der Rundfunkbeitrag zum Januar überhaupt steigt, müssen nun erst noch alle 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zustimmen – und zwar einstimmig – und dann alle 16 Landtage. Damit ist die – aus Sicht der Sender zu knappe – Erhöhung noch nicht endgültig gesetzt. Vor allem die Landesregierung in Sachsen-Anhalt von Ministerpräsident Reiner Haseloff hat mehrfach Widerstand angekündigt.

Als Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder zeigte sich Dreyer aber “zuversichtlich, dass wir zur Ministerpräsidentenkonferenz dann auch zu einem Ergebnis kommen”, wie sie nach der Übergabe des Berichts an sie sagte. Den Vorschlag der KEF, der nun bewertet werde, bezeichnete sie als “moderat”. “Und ich hoffe sehr, dass wir es wirklich dann auch schaffen, gemeinsam zu dieser Beitragserhöhung zu kommen.”

>> zur Originalveröffentlichung auf tagesschau.de

Warum Sky ab und zu auf Exklusivität verzichtet

Für den Deutschlandfunk habe ich unter anderem mit ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann über die neuerliche Kooperation bei Bundesliga-Übertragungen gesprochen.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —
Fast 900 Millionen Euro – so viel zahlt Sky an die Deutsche Fußballliga pro Jahr, um die Bundesliga übertragen zu dürfen. Für die Vereine ist das die Haupteinnahmequelle. Aber die Liga dürfte nicht nur an dem Geld aus den Fernsehrechten interessiert sein. Denn nur wenn viele Menschen erreicht werden, zahlen auch die Sponsoren der Klubs und die Werbekunden in den Stadien weiterhin hohe Summen.

Gerade vor diesem Hintergrund scheint die – gelegentliche – Kooperation des Pay-TV-Anbieters und Bundesliga-Senders Sky mit frei empfangbaren Sendern logisch. Sky erklärt jedenfalls:

„Damit betreiben wir Werbung für unser Sky Bundesliga-Produkt und für den deutschen Fußball im Allgemeinen. Durch die Kooperation mit dem reichweitenstarken ZDF machen wir das Spiel einem besonders großen TV-Publikum zugänglich.“

Im Frühjahr zeigte die ARD das „Revierderby“. Den Besuch der Bayern in Frankfurt hat nun wiederum das ZDF ausgestrahlt. Das freut natürlich ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Live-Fußball ist bei ihm selten, nachdem der Streaminganbieter DAZN dem Zweiten die Champions League wegschnappte.

„Das ist jetzt kein großes Geheimnis, dass Sky von der deutschen Fußball-Liga dieses Recht eingeräumt hat zwei Spiele pro Saison zu verwerten für Promotionszwecke, wie es heißt. Und in diesem Fall, jetzt im Sommer, sind wir auf die zugegangen.“

Zuallererst betont Fuhrmann, habe das Publikum etwas von diesem Deal: Bundesliga, frei empfangbar. Sky lässt sich das allerdings auch bezahlen. Über die Lizenzgebühr schweigt das Management des Bezahl-Senders aber. Fuhrmann sagt immerhin:

„Das ist jetzt keine Symbolsumme in der Größenordnung von einem Euro oder so etwas, sondern das sind schon andere Summen. Sie wissen aber, dass ich in der Öffentlichkeit nie Summen nenne. Das werde ich heute auch nicht anders halten, aber wie immer bei einem Geschäft: Wir sind sehr zufrieden mit den Konditionen und gehen, glaube ich sehr verantwortungsvoll – wie sonst auch – mit den Beitragsgeldern um“

, meint der ZDF-Sportchef. Fußball hätte er gerne wieder häufiger im Programm – und setzt so lange auch auf andere Sportarten: Nächste Woche steigt das ZDF wieder ins Boxen ein. Ein Ausgleich für die populärste Sportart sei das aber natürlich nicht, sagt Fuhrmann.

Wenn die Liga demnächst die künftigen Medienrechte ausschreibt, hofft er, dass es für das ZDF bei den bisherigen Rechten bleibt. Derzeit sieht das sogenannten Paket H Zusammenfassungen am Samstagabend vor.

„Seit vielen Jahrzehnten fährt die Bundesliga und das ZDF gut damit, dass es das ‚Aktuelle Sportstudio‘ gibt und es ist eine Traditionsmarke. Und jedes Recht wird neu verhandelt. Man muss die neue Marktsituation anschauen. Einfacher ist die Situation nicht geworden.“

Das sieht auch Lutz Meier so. Der Journalist beobachtet seit vielen Jahren die Vergabe von Sportrechten – erst für die „Financial Times Deutschland“, heute für das Monatsmagazin „Capital“.

„Sky ist doch inzwischen sehr unter Druck geraten. Zudem sind ja einige Konkurrenten auf den Plan getreten, allen voran DAZN. Und zudem hat die Deutsche Telekom angekündigt, dass sie Interesse hat. Also wird sich grundlegend was ändern.“

Ob die Liga Kooperationen von Bezahl- und frei empfangbaren Sendern von einer Ausnahme zum Standard machen will, ist offen. Bekannt ist, dass sie das Bundeskartellamt bereits gebeten hat, ihr wieder zu erlauben, alle Live-Rechte an einen Anbieter zu geben. Es dürfte also auf einen Showdown zulaufen zwischen Sky, DAZN und der Telekom. Branchenbeobachter Lutz Meier mahnt jedoch: Was nach großem Wettbewerb aussehe, könne für die Liga auch nach hinten losgehen.

„Die tun immer gerne so, als würden sie da noch jemanden aus dem Hut zaubern. Das wird die sicherlich sehr gefreut haben, dass sich die Telekom jetzt gemeldet hat, die auch in der Vergangenheit schon öfter mal den Joker gespielt hat. Aber da ist dann die Frage: Zieht dieser Joker wirklich am Ende?“

Die Telekom nehme immerhin schon viel Geld in die Hand für die Europameisterschaft in knapp fünf Jahren. Sollte sie die anderen nicht zu neuen Höchstpreisen treiben, könnte der Preis für die Liverechte der Liga sogar sinken. Ein Risiko vor allem für die Finanzlage der Vereine.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Sport am Wochenende”)

Wie sich öffentlich-rechtliche Angebote verändern

Logos: Apps von ARD und ZDF
Onlineangebote von ARD und ZDF. (FOTO: DANIEL BOUHS)

Für ARD, ZDF und DLF gelten neue Netz-Regeln. Dass diese auf Drittplattformen nun größere Freiheiten haben, ist Chance und Risiko zugleich, erklärte ich im Deutschlandfunk Kultur

für Deutschlandfunk Kultur

>> Download MP3 (Quelle: Dlf Kultur-“Breitband”)

Lehren aus medialen Übertretungen?

Zehn Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden

für NDR Fernsehen

— mit Sabine Schaper —

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Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Jany: “Ich habe nach Winnenden überlegt, ob ich meinen Job als Journalist an den Nagel hänge”

Anton Jany war vor zehn Jahren für das ZDF in Winnenden. Für ZAPP habe ich mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen.

für NDR Fernsehen

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>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal

Bauer: “Da gab es viele Situationen, wo ich mich auch geschämt habe”

SWR-Reporter Knut Bauer war für den ARD-Hörfunk in Winnenden. Für ZAPP habe ich mit ihm darüber gesprochen, was er erlebt hat.

für NDR Fernsehen

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ZDF-Redakteur Niehaves über die Facebook-Falle

Der “WISO”-Chef hat auf der Fachtagung “Wissen ist Macht – Verbraucherjournalismus” erklärt, wie der Algorithmus von Facebook JournalistInnen dazu zwingt, auf bestimmte Inhalte zu setzen – und warum er dennoch nicht Fan der Idee ist, eine große europäische Plattform dagegen zu setzen.

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Super-Mediathek: ARD-Chef sagt YouTube & Co. Kampf an

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Der Medienmix von heute: Fernsehen über Youtube, Netflix oder Amazon Prime: ein reiches Angebot, gut sortiert, mit passenden Vorschlägen für die Nutzer. Dazu: Google zum Nachschlagen. Und Facebook – für den bequemen Austausch mit Freunden. Gemeinsam sind sie die digitale Heimat für Milliarden Nutzer. Dabei sind all diese Angebote Produkte von Firmen aus den USA.
Und Europa? Beispiel Deutschland. Die digitalen Angebote: klein und zersplittert. Für Nutzer: unbequem. Soziale Medien, die auch Nutzer vernetzen: Fehlanzeige.
Er findet das unerträglich: Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD. Seit Monaten trommelt er für einen Gegenentwurf. Seine Vision, auch auf den Münchner Medientagen.
„Ich glaube, bin wirklich davon überzeugt, dass wir eine europäische Alternative entwickeln sollten, die wir dann neben die Dominanz von Facebook, Youtube, Google stellen können.“
Wilhelm will, dass Medien in Deutschland ihre Power und ihre Inhalte bündeln. Seine Vision: eine Art „Supermediathek“. Am liebsten sogar: für ganz Europa.
„Ich halte es für realistisch, wenn Europa seine Kräfte bündelt. Als Airbus noch ein Konzept war, sagte auch jeder, es ist völlig sinnlos gegen Boeing anzutreten.“
Die Supermediathek, ein politisches Projekt wie einst Airbus? Für Sascha Lobo, den Digitalexperten und Autor, taugt dieser Vergleich des ARD-Vorsitzenden nicht.
„Als man sich entschieden hat, in Europa Airbus herzustellen, da musste man ein halbes Dutzend Flugzeug-Einkäufer überzeugen und das war’s. Und zwar Flugzeug-Einkäufer, die eine sehr große Übereinstimmung haben mit den jeweiligen nationalen Interessen, die man als Bundeskanzlerin ansprechen kann. Wenn man aber viele hunderte Millionen Bürgerinnen und Bürger überzeugen muss, dann ist völlig egal, was Frau Merkel sagt. Und dann ist total schnurz, ob irgendeine Internet-Ministerin sagt, das hier kommt aber aus Deutschland oder die Server stehen in Europa. Dann muss man sich im digitalen Alltag beweisen.“
Das Problem: Konzerne wie Google und Facebook sind technologisch weit voraus. Im Netz inszenieren sie ihre Rechen- und Speicherkraft mit Standorten auf der ganzen Welt. Und überhaupt: Die US-Konzerne haben die Nutzer. Facebook mehr als zwei Milliarden weltweit. Sie will Facebook halten, baut dafür das Angebot stetig aus, auch im Bereich Video. Im Sommer stellt Mark Zuckerberg „Watch Party“ vor. Freunde treffen sich auf Facebook, um gemeinsam Videos zu schauen, parallel können sie miteinander chatten.
„Du kannst zusammen lachen. Zusammen weinen. Einige meiner Freunde haben das wirklich gemacht! (Lacht)“
Lobo weiß: Ihr Entwicklungstempo hat Facebook und Youtube so erfolgreich gemacht. Für die Vision Ulrich Wilhelms eine enorme Hürde.
„Die Mediatheken sind zwar auf einem richtigen Weg, aber da auch erst am Anfang. Es beginnt damit, dass sie häufig aufbauen auf veralteten Technologien und nicht Schritt halten mit der sehr großen Entwicklungsgeschwindigkeit. Es gibt einen Begriff, der ist schon über 10 Jahre alt im Internet, der nennt sich ‚perpetual Beta‘. Das bedeutet, dass man ständig sein Produkt weiterentwickelt, nie fertig ist, immer versucht es zu verbessern anhand der Daten der Nutzer entlang. Und das hat man in ganz vielen Bereichen in Deutschland noch nicht verstanden.“
Anfang dieser Woche in Berlin: ein Kongress mit Medienmanagern und Politikern. Die Sehnsucht nach einer starken heimischen Plattform: Sie ist da.
„Warum sollten die Europäer da nicht mal führend sein? – wo man alle Medien zulässt und wo alle dann nach der Zahl der Klicks, die aufgerufen werden, ihren Anteil an den Einnahmen haben. Wo es möglich ist, Werbeeinnahmen zu erzielen, die nicht in den Kassen von Google und von Amazon und von Facebook gehen.“
Doch nicht einmal bei den öffentlich-rechtlichen sind alle Fans einer „Supermediathek“. Der Intendant des ZDF fürchtet den Bedeutungsverlust.
„Man sieht es zum Beispiel an der ‚heute show‘. Die wird linear mit Wiederholungen so ungefähr von fünf Millionen gesehen und mittlerweile 600.000 sehen Sie in der Mediathek – komplett übrigens. Wir wissen, in Youtube sind es auch noch mal einige Hunderttausend. Wir wissen das nicht ganz genau. Das ist ein Zustand, mit dem ich leben kann. Jetzt zu sagen, wir geben das alles auf für etwas anderes, ist mir viel zu früh und auch zu riskant.“
Die wohl größte Hürde: unterschiedliche Interessen. Die einen bieten Inhalte kostenfrei an. Andere wollen Geldverdienen. Sender sollen dabei sein, aber auch Verlage – mit Text. Sogar Inhalte von Nutzern sollen rein.
Die „Supermediathek“ soll irgendwie alles sein. Doch wenn sich nicht mal ARD und ZDF einig sind, wie dann Deutschland – oder Europa?
Man könnte sagen, es ist ein mutiges Projekt, was Sie da anstoßen wollen, oder extrem naiv. Wo positionieren Sie sich?
(Lacht) „Na ja. Für Naivität, glaube ich, bin ich schon zu alt. Hier geht es aber um etwas und deshalb bin ich so leidenschaftlich. Hier geht es um die Werte, nach denen wir leben wollen. Es geht um Glaubwürdigkeit von Inhalten.“
Ein Visionär – oder nur ein Mann mit Visionen? Es fehlt ein konkreter Entwurf. Was soll die „Supermediathek“ wirklich sein – und was besser nicht?
>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)