Lokaljournalismus extrem

Norwegische Flagge
Norwegen: Auch hier kämpfen Lokalzeitungen ums Überleben. (Foto: xoiram42 by CC BY-SA 2.0)

Wenn Chefredakteure über die Zukunft diskutieren, dann laden sie sich gerne Vertreter aus Sunnhordland ein. Im Dlf erzähle ich, wie die Norweger aus der Spar-Not eine Tugend gemacht haben.

für Deutschlandfunk

— Manuskript des Beitrags —

„Wir haben das E-Paper, die Kopie der Zeitung, und wir haben die News-App“.

Magne Kydland beugt sich über sein Smartphone. Er öffnet die App seiner Zeitung und checkt die Lage.

„Es passiert immer etwas, den ganzen Tag. Diese Nacht etwas Dramatisches: Die Polizei musste in ein Auto fahren. Es flüchtete von der Polizei.“

Was in der Region Sunnhordland im Westen Norwegens los ist: Die Redaktion der gleichnamigen Zeitung meldet es online rund um die Uhr. Und das, obwohl sie auch eine Tageszeitung herausbringt. Das große Thema dieser Tage: Proteste gegen Windräder, die zwar saubere Energie bringen, aber die Landschaft verschandeln. Dazu kommt drei mal im Jahr ein Hochglanzmagazin, aktuell zum Kampf von Kindern aus der Region gegen Krebs. Das Onlineangebot, die Zeitung, das Magazin – all das kommt von gerade einmal acht Reportern und Fotografen.

„Es ist hart. (lacht) Aber auch ein riesen Spaß. Wir müssen alle möglichen Jobs machen, jeder“, sagt Hilde Nybø, die Nachrichtenchefin. „Wann immer du irgendwo mit Leuten sprichst, bekommst du eine Story mit. Abends gehst du ins Internet und hältst Ausschau nach Themen. Das ist eine Lebenseinstellung.“

„Sunnhordland“ wird in der Verlagsszene seit Jahren als Erfolgsbeispiel gehandelt. Die wohl wichtigste Entscheidung der Redaktion: Die Zeitung erscheint statt fünf nur noch drei mal die Woche. Günstiger wurde das Abonnement dadurch nicht. Ein Risiko, das für alle Seiten gut ausging.

„Es ging soviel Zeit für die Produktion der Zeitung drauf. Sie fehlte für Journalismus. Jetzt sehen unsere Abonnenten: Wir geben ihnen bessere Geschichten. Deswegen waren sie nicht sehr böse. Es war kein großes Problem.“

Im Gegenteil: Obwohl die Zeitung bei gleichem Preis seltener erscheint, kommen neue Leser. „Sunnhordland“ zählt aktuell knapp 6.500 Abonnenten, bei etwa 60.000 Menschen in der Region. Am liebsten würde Chefredakteur Magne Kydland den Schalter komplett umlegen und seine Abonnenten aktuell nur noch digital informieren, dazu die gelegentlichen Magazine. Doch beim Verkauf von Werbung kommt auch hier fast jede Krone noch immer aus der gedruckten Ausgabe.

„Da wäre es doch sehr dumm, darauf zu verzichten. Das ist wegen Google und Facebook und der ganzen Konkurrenz. Und auf den Mobilgeräten ist auch gar nicht so viel Platz für Werbung. Es fällt uns sehr schwer, im Digitalen genauso viel für Werbung zu bekommen. Das ist nicht nur in Norwegen ein Problem, sondern praktisch weltweit.“

Mehr Redakteure kann sich der Chefredakteur in diesen Zeiten einfach nicht leisten. Die Folge: Seine Redaktion könnte unter dem Stichwort „Arbeitsverdichtung im Journalismus“ in die Lehrbücher eingehen. Nachrichtenchefin Hilde Nybø zieht während des Interviews einen Ärmel hoch: Ihr Arm ist bandagiert. Krank machen muss sie sich verkneifen.

Das Erstaunliche: „Sunnhordland“ wird mit Preisen überschüttet – für modernes Layout in Zeitung und Magazin, trotz oder gerade weil die Redaktion so klein ist. Die Grafiker – der Chefredakteur zählt sie nicht zu seiner Redaktion – können ihrer kreativen Energie freien Lauf lassen. Kein Journalist quatscht ihnen rein. Dafür fehlt ohnehin die Zeit.

Wie lange dieses Modell wohl gut geht? Chefredakteur Magne Kydland ist optimistisch.

„Was wir in den vergangenen Jahren in Norwegen gesehen haben: Der Lokaljournalismus ist tatsächlich stärker geworden. Es sind mehr die überregionalen und regionalen Zeitungen, denen es noch schlechter geht. In Norwegen haben wir viele Lokalzeitungen. Sie alle haben in den vergangenen Jahren gewonnen, während die größeren verlieren. Deshalb glaube ich: Lokaler Journalismus ist die Zukunft.“

Aber die Finanzierung bleibt ein Problem?

„Kein Problem, eine Herausforderung.“

Und so arbeiten die acht Journalisten weiter bis zur Belastungsgrenze – irgendwie aus Berufung, damit „Sunnhordland“ weiter eine Zeitung hat. Sie ist ohnehin schon seit Jahren in der Region nur noch die einzige.

>> Download MP3 (Quelle: Deutschlandfunk-“Mediasres”)

Fotocredit: “Norwegian flag swaying in the sun” by xoiram42 is licensed under CC BY-SA 2.0

Die Woche danach

Nachdem das EU-Parlament trotz starken Protesten der Urheberrechtsreform zugestimmt hat, geht’s an die Umsetzung. Für den Dlf habe ich mich umgehört, wie es nun weitergeht.

für Deutschlandfunk

Dass das Europäische Parlament der Urheberrechtsreform zugestimmt hat, das hat Dietmar Wolff – Hauptgeschäftsführer des Zeitungsverleger-Verbandes BDZV – auf einer Reise erfahren.

„Kurze SMS bekommen, wie das Ergebnis war, zur Kenntnis genommen und…“
„…kein Champagner im Rucksack gehabt?“
„Nein ­– absolut kein Champagner.“

Leistungsschutzrecht gibt es in Deutschland seit sechs Jahren
Die Zeitungsverleger freuen sich vor allem auf das Leistungsschutzrecht: Vor allem Google soll künftig dafür bezahlen, dass es die Artikel von Verlagsseiten auflistet und drumherum Werbeplätze verkauft. In Deutschland gibt es so ein Gesetz schon seit bald sechs Jahren.

„Das wird so ablaufen, wie das eben schon beim deutschen Leistungsschutzrecht abgelaufen ist, dass die Verlage auf die Plattformen zugehen – entweder einzeln, individuell, das ist ja jedem Verlag unbenommen, oder indem sie sich organisieren, zum Beispiel über eine Verwertungsgesellschaft. Und das ist ja beim deutschen Leistungsschutzrecht auch so erfolgt.“

Nur zahlt Google nicht, sondern streitet sich vor Gericht. Wolff ist aber zuversichtlich: Das künftige europäische Recht werde den Verlagen helfen. Große Gesetzesänderungen seien aber wohl nicht notwendig.

Uploadfilter auf nationaler Ebene kaum zu verhindern

Anders sieht es bei der Plattformhaftung aus, den Urheberrechten etwa auf YouTube. Die CDU macht gerade Schlagzeilen mit dem Vorstoß, beim Überführen der Richtlinie in deutsches Recht Uploadfilter doch noch verhindern zu können – wird dabei aber kaum ernstgenommen.

„Das ist aus meinen Augen Sand, der da von der CDU versucht wird, den Leuten in die Augen zu streuen.“

Sagt Jens Zimmermann, der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion – immerhin ein Koalitionspartner.

„Allen Expertinnen und Experten, mit denen ich gesprochen habe, denen ist nichts anderes eingefallen als eben diese Upload-Filter.“

Drei-Stufen-Regelung möglich: Lizenz, Löschung, freie Nutzung

Elisabeth Winkelmeier-Becker ist die Sprecherin der Unionsfraktion für Recht. Sie sagt selbst: Die Technologie hinter den Uploadfiltern würden Internetplattformen tatsächlich brauchen, um festzustellen, ob sie an einem Foto, Video oder Text Rechte halten oder nicht. Allerdings:

„Wir wollen die Verfahren und die Sorgfaltspflichten der Plattformen dabei so ausgestalten, dass ein Upload zunächst immer möglich ist und deshalb dann auch keine Anreize für ein Overblocking bestehen.“

Das oberste Ziel der Reform sei schließlich, dass Plattformen Lizenzen erwerben und so Kreative bezahlen.

„Wenn keine Lizenz besteht, dann soll kurzfristig geklärt werden, ob der Rechteinhaber eine individuelle Lizenz nachträglich vereinbaren will. Das wäre seine erste Option. Die zweite Möglichkeit ist, dass er die Löschung des Uploads will, der gegen sein Urheberrecht verstößt. Und die letzte Möglichkeit ist, dass er auch einfach damit einverstanden ist, dass sein Werk ohne Lizenz genutzt wird, weil er vielleicht gar nicht an der kommerziellen Nutzung interessiert ist.“

Steinbrecher (Bitkom): Unmöglich, genügend Lizenzverträge abzuschließen

Mit so einer Regelung könnten Plattformbetreiber auch Livestreams selbst dann laufen lassen, wenn die Urheberrechts-Scanner Alarm schlagen. Judith Steinbrecher, die Urheberrechtlerin des IT-Branchenverbandes Bitkom mahnt indes: Auch bei diesem Modell müssten Plattformbetreiber am Ende viele Inhalte rausfiltern.

„Weil man nicht so viele Lizenzverträge schließen kann, als dass jeglicher Content abgedeckt ist. Das heißt, für den Bereich, wo es keine Lizenzverträge gibt, muss dann doch ein Uploadfilter her, um das tatsächlich technisch umsetzen zu können und dort auch einer Haftung entgehen zu können.“

Europäische Lizenz-„Superdatenbank“: Welche Inhalte sind eigentlich urheberrechtlich geschützt?

Und: Woher sollen Plattformbetreiber eigentlich wissen, welche Inhalte urheberrechtlich geschützt sind? Für Bitkom-Juristin Steinbrecher führt kein Weg an einer Art europäischer „Superdatenbank“ vorbei. Die sei jedoch so kompliziert, dass es sie bisher nicht mal für Musik gebe.

„Wir sprechen aber hier ja auch nicht nur über Musikinhalte, sondern jegliche urheberrechtlich geschützten Inhalte. Also auch ein Foto, was Sie selber privat irgendwo machen, hat einen urheberrechtlichen Schutz. Ja, das ist eine große Herausforderung, dort wirklich auch das Informationsmaterial zu haben, was eine Plattform benötigt, um da Rechteklärung vornehmen zu können.“

Uploadfilter, Lizenzdatenbanken und das Leistungsschutzrecht: Den Betreibern könnte das am Ende zu viel, zu teuer oder zu riskant werden. Sie könnten einzelne Angebote einstellen – so wie Google vor Jahren „Google News“ in Spanien, nachdem auch dort bereits ein Leistungsschutzrecht eingeführt wurde. In Deutschland ließ Google Verlage, die weiter gelistet werden wollten, unterschreiben, dass das erst mal kostenfrei passiert. Ein Trick. Dietmar Wolff vom Zeitungsverlegerverband BDZV runzelt die Stirn.

„Ich gehe davon aus, dass Google überlegen wird, ja, Verlage vielleicht auch auszulisten. Aber wenn sie das europaweit tun möchten: Das ist schon ein sehr großer Markt mit über 500 Millionen potenziellen Nutzern. Das werden sie sich schon sehr gut überlegen, ob sie das machen. Da war ein einzelner Markt wie Deutschland oder eben auch Spanien doch schon eben eine andere Sache, ne?“

>> Download MP3 (Quelle: Dlf-“Mediasres”)

Ein Mantel für alle: Zeitungen im Einheitslook?

Ob “Redaktionsnetzwerk Deutschland” oder “Funke Zentralredaktion”: Immer weniger Redaktionen beliefern immer mehr Zeitungen mit Überregionalem – erklärt in ZAPP<.

für NDR Fernsehen

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— Manuskript des Beitrags —

Lars Haider in seiner Redaktion. Die Journalisten des “Hamburger Abendblatts” konzentrieren sich ganz aufs Lokale. Berichte aus Deutschland und der Welt bekommen die Blattmacher von außen zugeliefert. Ein Modell – etabliert schon vor Jahren.
“…diese Seite, und am Ende diese Seite.”
“Heute sind es von den 44 Seiten, die morgen im Hauptprodukt erscheinen, kommen exakt 6 aus der Zentralredaktion in Berlin.”
Fix und fertig?
“Fix und fertig. Aber da muss man auch sagen, das sind halt 6 von 44.”
Nicht viele, aber: prominente Seiten. Etwa die Berichterstattung über die Bundespolitik, dazu Berichte der Auslandskorrespondenten und ein bisschen Buntes. Der sogenannte Mantel. Ein Qualitätssprung für den
Chefredakteur – auch verglichen zu der Zeit, als sich das “Abendblatt” noch einen eigenen Korrespondenten in Berlin geleistet hat:
“Wenn das ‘Hamburger Abendblatt’ dann ein Interview mit dem Bundeskanzler damals oder später mit der Bundeskanzlerin haben wollte, haben die gesagt ‘Ja, ihr seid auch mal alle vier Jahre dran, nämlich immer bei der Hamburg-Wahl’. Und den Rest der Politikberichterstattung haben die meisten Regionalzeitungen von einer einzigen Zentralredaktion übernommen, nämlich der Zentralredaktion, wenn man so will, der Deutschen Presseagentur. Und da ist es da ist es schon, finde ich, eine Verbesserung, wenn es auf einmal nur fünf, sechs, sieben größere Zentralredaktionen gebe. Dann wäre auf jeden Fall mehr Vielfalt als es früher war.”
Haiders Zentralredaktion sitzt in Berlin. Sie beliefert alle Zeitungen, die zur Funke-Mediengruppe gehören – auch das “Hamburger Abendblatt”.

Zentralredaktionen wie hier der Funke-Gruppe sind zweifellos eine neue publizistische Kraft. Zeitungsforscher Horst Röper vermutet aber vor allem eine andere Motivation bei den Verlegern.
“Es ist ein kostensparendes Modell und darum geht es. Die Verlage wollen Kosten einsparen, das können Sie mit diesem Modell in der Tat. Und deswegen reüssiert dieses Modell inzwischen ja bei vielen Gruppen und jetzt sogar über Gruppen-Grenzen hinaus, also durch den Verbund von mehreren großen Verlagen.”
Einen solchen Verbund bildet das Redaktionsnetzwerk Deutschland RND von Madsack in Hannover. Es beliefert mehr als 40 Tageszeitungen.
Bislang hat auch die DuMont-Gruppe in Berlin eine Zentralredaktion betrieben – für die eigenen Zeitungen.
Nun aber gibt DuMont seine Zentralredaktion auf, macht stattdessen gemeinsame Sache mit dem RND – dessen publizistische Macht damit noch weiter wächst.
Festakt in Hannover vor wenigen Wochen: Madsack feiert – 125 Jahre Verlagsgeschichte. Es gratuliert der Bundespräsident – mit einer deutlichen Botschaft:
“Wenn man dann mit einem überregionalen Bericht oder Kommentar täglich in Zukunft vielleicht fast sieben Millionen Leser von mehr als 50 Tageszeitungen erreicht, dann muss sich jeder einzelne Journalist auch bei Madsack immer bewusst sein, wie viele Menschen er am nächsten Tag mit seiner Bewertung von politischen Vorgängen natürlich beeinflusst.”
Was bedeutet diese Entwicklung für die journalistische Vielfalt?
“Was wir verlieren, sind die unterschiedlichen Blickwinkel und diese unterschiedlichen Blickwinkel haben sich früher auch gegenseitig befruchtet, das heißt die Kollegen in Berlin haben natürlich auch immer nachgelesen, was hat der andere aus dem Thema gemacht und haben das eben dann vielleicht in ihre künftige Berichterstattung mit einfließen lassen. Diese Wechsel von Blickwinkeln, diese zusätzlichen Aspekte entfallen nun, weil wir eine relativ einheitliche Berichterstattung haben.”
Die Funke-Zentralredaktion bleibt für ZAPP verschlossen. Auch der Newsroom von Madsack. Beide sehen in der Zentralisierung kein Sparprogramm, sondern ein Modell für die Zukunft. Auch die Vielfalt bleibe erhalten.
“Die geht überhaupt nicht zurück, weil es so viele überregionale Zeitungsgruppe gibt und überregionale Medien wie öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk, Magazine, es kommen neue Internetanbieter, die auch überregionalen Journalismus machen. Da muss sich keiner Sorgen machen.”
Nürnberg. Vor allem im Süden der Republik produzieren viele Redaktionen ihre Zeitungen noch komplett selbst – von der ersten bis zur letzten Seite. So wie die “Nürnberger Nachrichten”.
“Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, den Mantel hier selbst zu produzieren. Er muss passen für die Region, für die wir hier Zeitung machen, also für den nordbayerischen Raum, einen Umkreis von 60, 70 Kilometer rund um Nürnberg. Wir finden, wir müssen auch verstehen, wie die Leute hier ticken, und glauben, dass die Nähe zu den Lesern ganz wichtig ist. Deswegen sind wir wild entschlossen, hier zu produzieren für die Menschen hier vor Ort.”
Das klappt aber nur mit Material der Nachrichtenagenturen. Die Titelseite: mitunter fast komplett mit Texten der dpa – echter Massenware. Die übrigen Seiten aber: mit eigenen Geschichten. Brüssel will neue Regeln für E-Bikes – der Bericht erzählt die Folgen – nicht irgendwo, sondern konkret in Nürnberg.
Glauben Sie, dass das Zentralmantel-Modell – die Fertigseiten Politik, Wirtschaft –, dass das nicht nur eine Mode sein wird, sondern das etablierte Modell sein wird in der Zukunft?
“Die Zeichen stehen so, dass es so sein wird, dass wir dann in der Tat eine Ausnahme sein werden, aber Ausnahmen bestätigen die Regel und Ausnahmen sind ja oft nicht schlecht, sondern funktionieren auch ganz gut.”
“Ich glaube die These halt nicht, dass man es als Einzelkämpfer schaffen kann. Selbst wenn man drei Korrespondenten in Berlin hat, ist die Durchschlagskraft halt nicht gut. Wir haben eine Redaktion in Berlin mit 70 Leuten. Das ist eine ganz andere – Sie können überall mitfliegen, Sie können zu allen Hintergrundgespräche gehen, Sie können zu diesen unendlich vielen Terminen in Berlin gehen. Das schafft halt ein oder zwei alleine nicht.”

Zwei Regionalzeitungen – zwei Philosophien. Beide haben etwas für sich. Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Zukunft gehört den zentralen Mantelredaktionen.

>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)

Interviews zum Telemedien-Durchbruch

Verlage, öffentlich-rechtliche Sender und vor allem die Ministerpräsidenten der Länder haben sich auf neue Spielregeln für ARD, ZDF und Deutschlandradio im Netz geeinigt, den sogenannten Telemedienauftrag. Stimmen zum Spiel nach der gemeinsamen Pressekonferenz am 14. Juni 2018 in Berlin.

für NDR Fernsehen

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(Quelle: NDR-“Zapp”)

Wie wäre es mit – Lokaljournalismus?

Weg vom Schreibtisch, raus in die Provinz: Kurz vor der Wahl starten einige Redaktionen Sonderprojekte. Sie wollen mit echten Menschen über echte Probleme reden. Wem bringt das was?

für taz

Wie wäre es mit – Lokaljournalismus? weiterlesen

Geld für Textschnipsel?

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger wirbt dafür, dass Plattformen wie Facebook oder Google Geld an Verlage zahlen, wenn sie Artikel-Auszüge anzeigen. Dagegen formiert sich Widerstand, wie Daniel Bouhs berichtet

für WDR5

Manuskript des Beitrags
www.google.de – für Millionen Nutzer auch in Deutschland ist die Seite das Portal ins Internet. Neun von zehn Suchabfragen laufen über Google. Sogar der Duden führt den Begriff „googeln“: „mit Google im Internet suchen, recherchieren“.

Wer im Netz recherchiert, dem liefert Google vieles, von Hintergründigem bis Banalem – darunter auch fast immer „News-Themen“ – Links zu aktuellen Artikeln, in denen der Suchbegriff vorkommt. Und Werbung – Links zu Anzeigekunden, die unter dem Suchbegriff als erste gefunden werden wollen.

Links auch auf die Online-Portale von Zeitungen und Zeitschriften neben Werbung – bei Verlegern regt sich großer Unmut über dieses Prinzip der digitalen Welt:

„Es reicht ein Mausklick und man kann Inhalte, die andere geschaffen haben, erfolgreich vermarkten, ohne einen einzigen Cent investiert zu haben – und viele Suchmaschinen, Aggregatoren und Webseiten tun das. Genau das!“

, mahnte jüngst Mathias Döpfner auf dem Berliner „Zeitungskongress“. Döpfner leitet das Medienhaus Axel Springer – mit „Bild“ und „Welt“ – und ist neuerdings auch Präsident des Verlegerverbandes BDZV. Der Verbandschef ärgert sich über IT-Konzerne wie Google – aber auch Facebook. Denn verlinkt dort ein Nutzer für seine Freunde einen Artikel, dann übernimmt auch Facebook nicht nur einfach den Link, sondern auch Fotos und kurze Ausschnitte. Und wie Google zahlt auch Facebook den Verlagen dafür keinen Cent, verdient aber mit Werbung drumherum viel Geld.

„Das ist eine interessante Ordnung: Hier die Dummen, die anspruchsvolle Inhalte für teuer Geld erstellen, da die Schlauen, die die Inhalte von anderen kopieren und kostenlos anbieten, um sie durch Werbung zu vermarkten. Das kann nicht gut gehen. Der Staat steht in der Pflicht, der alltäglichen Enteignung von Verlagen ein Ende zu setzen!“

, forderte Verlagsvertreter Döpfner. Und er hat einen Verbündeten in der Politik: EU-Kommissar Günther Oettinger. Auch er empört sich über die Online-Konzerne:

„Die verdienen Mill-iarden! Der Kapitalismus von heute heißt ‚Werbestrategie von Online-Plattformen’. Und ich würde gerne davon einen Teil dorthin übertragen, wo der Inhalt verantwortet wird: Journalisten in Verlagen.“

, sagte Oettinger in Brüssel als er Journalisten seine Vorschläge für ein neues Urheberrecht erklärte. Darin: ein europaweites „Leistungsschutzrecht für Presseverlage“. Die sollen damit bei Google und Co. Geld verlangen können – für die kleinen Übernahmen aus ihren Seiten.

Das klingt nach einem noblen Ziel, allein: Schon seit Wochen laufen ausgerechnet viele Online-Journalisten Sturm. Chefredakteure – von FAZ.net bis zu „Zeit Online “ –veröffentlichen interne Statistiken: Etwa jeder fünfte Besucher komme über die Links von Google, weitere zudem über Facebook. Digitale Laufkundschaft, kostenfrei.

Damit zieht sich ein Riss durch die Verlagslandschaft: Auf der einen Seite traditionelle Verleger, die die Werbemilliarden der Digitalkonzerne neiden und davon etwas abhaben wollen. Auf der anderen Seite die eigenen Online-Journalisten, die Angst haben: Sie wollen nicht riskieren, dass Google und Co. ihre Inhalte am Ende ignorieren.

In einem Video warnen zudem EU-Abgeordnete aus fast allen Fraktionen – von den Piraten bis zur SPD – davor, dass das Gesetz auch Privatnutzer treffen könnte.

„Wenn das EU-Leistungsschutzrecht verabschiedet wird, dann ist schon das Teilen von kleinsten Ausschnitten aus Artikeln verboten, wie zum Beispiel die Überschrift auf einem privaten Blog.“
„Wir sitzen für verschiedene Parteien im europäischen Parlament, aber wir sind uns in einem einig: Wir lehnen Günther Oettingers Angriff auf die Linkfreiheit entschieden ab.“
„Ein bisschen ist dieser Plan wie Juressic Park: der Kampf der Giganten. Und die Nutzerinnen und Nutzer bleiben auf der Strecke. Der Medienfreiheit tut das niemals gut.“

Der Zeitungsverlegerverband BDZV hält dagegen: Ein europäisches Verlegerrecht werde „in keiner Weise“ private Links auf Texte aus Verlagshäusern beeinträchtigen. Allein: Unsere Nachfrage, worauf sich der Verlegerverband dabei beruft, wo sich etwa in Oettingers Urheberrechtspaket der Schutz für Privatnutzer findet – sie bleibt vorerst unbeantwortet. Der Verlegerverband will dazu in den nächsten Tagen ein Gutachten vorlegen. Der Streit um ein EU-weites Leistungsschutzrecht für Presseverlage geht dann in die nächste Runde. Vorerst noch mit dem alten Digital-Kommissar Günther Oettinger.

>> Download MP3 (Quelle: WDR5-“Töne, Texte, Bilder”)

Schutzmacht

Verlage EU-weit gegen Google

für NDR Fernsehen

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Manuskript des Beitrags
Der jährliche Zeitungskongress. Die deutschen Verleger beraten über ihre Zukunft in schwierigen Zeiten. Deshalb geht es auch um Politik. Links der EU-Kommissar, rechts der Chef-Verleger. Sie machen gemeinsame Sache – und wählen starke Bilder.
„In einem Land, in dem man in den Geschäften Brot stehlen darf, würde auch keiner mehr Bäcker werden. Nach wie vor ist es aber so, dass andere Unternehmen im Netz Artikel, Fotos und Videos kopieren und auf eigene Rechnung vertreiben und vermarkten können ohne dafür an die Verlage etwas zu bezahlen.“
Es geht vor allem: um Google. Sucht ein Nutzer etwa nach „Krankenkassen“ – dann listet die Suchmaschine prominent „News-Themen“ – Berichte über Krankenkassen. Aber: auch Werbung – für Krankenkassen. Das sind die Anzeigen, mit denen Google Milliarden macht – während der IT-Riese für die Zeitungsausrisse daneben – die „Snippets“ – nichts bezahlt.
„Wenn der Schutz geistigen Eigentums nicht gesichert ist, haben Verlage in Zukunft keine Perspektive. Und jeder, der etwas anderes sagt und die Verlage locker-flockig zu mehr Kreativität und neuen Geschäftsmodellen auffordert, lügt oder lenkt ab.“
Mit einem neuen europäischen Urheberrecht aber sollen die Verlage endlich Geld verlangen können –  sogar für kleinste Ausschnitte. Der EU-Kommissar verspricht:
„Eine eigenständige Rechtsposition, die nicht in Euro und Cent Ihnen schon Einnahmen garantiert, aber die Sie auf Augenhöhe bringt. Auf Augenhöhe bringt und die Online-Plattformen an den Verhandlungstisch bringt und zwingt, damit man faire Vergütungsregeln finden kann, gegebenenfalls vor Gericht sie einklagen kann und daraus eine Perspektive in der Online-Welt für Ihre Verlage und damit für Ihre Arbeitsplätze in Verwaltung und Redaktion entstehen kann.“
Sprich: Google soll für Verlagsinhalte zahlen.
Onlinejournalisten – wie hier bei „Zeit Online“ – aber wissen: Google bringt ihnen wichtige Laufkundschaft.
Der Chefredakteur erklärt es – und seine Redaktion hat das auch Oettinger mitgeteilt: Google bringt hier 20 Prozent, jeden fünften Besucher.
„In dem Fall ist sozusagen die Balance deutlich zu unseren Gunsten. Es ist natürlich für viele Verlage frustrierend zu sehen, dass ein – ich sage mal – Infrastrukturprovider wie Google so großartige Erlöse macht. Das ist aber sozusagen – das löst das Verlagsproblem nicht, dass es jetzt einen Player gibt wie Google. Wir müssen halt in so einer Welt uns zurechtfinden.“
Auf Twitter erklärt auch der Digitalchef der FAZ: Gut 17% seiner Besucher kommen über Suchmaschinen – also am Ende Google. Und Onlinejournalisten haben noch eine Sorge:
„Ein Aspekt des neuen Urheberrechts, wie es auf europäischer Ebene jetzt diskutiert wird, ist ja auch, dass es sozusagen Suchmaschinen nicht einfach so erlaubt sein wird, Inhalte zu kopieren und im Suchindex zu verarbeiten. Also nicht darzustellen, sondern überhaupt zu verarbeiten. Auch das ist verrückt. Also das heißt, dass Google eigentlich sein Geschäft abschalten muss, wenn wir Google keine Lizenz geben, unsere Inhalte zu indizieren. Das kann man schon machen. Es ist nur ein völlig neues Netz, das da entsteht. Und ich habe halt Sorge, dass da was kaputt geht, wenn das wirklich ernst ist, was da beschlossen werden soll.“
Und so denken viele Online-Journalisten kritisch über die EU-Pläne. Kommentieren sehr direkt: „Oettinger gefährdet das Internet“
Der aber versucht sich zu wehren, adressiert gezielt die Verleger.
„In vielen Ihrer Häuser haben Sie Offline- und Online-Redaktionen. Und bei den Onlinern war die Redaktion relativ negativ. Nicht Zensur ist gefragt, aber Überzeugung. Schwärmen Sie aus!“
Das klare Signal der organisierten Verlegerschaft an den Kommissar: Wir sind auf Ihrer Seite.
„Ich weiß auch, dass Sie mit erheblichen Widerständen zu kämpfen haben. Unsere Unterstützung ist Ihnen sicher. Wir werden alles daransetzen, Sie zu unterstützen, dieses Ziel zu erreichen.“
Verleger machen gemeinsame Sache mit der Politik – trotz Kritik ihrer eigenen Onlineredaktionen.

Journalisten-Klassenfahrt zur Europäischen Kommission.
Das gibt es hier öfter. Ungewöhnlich aber, wenn Journalisten über die Zukunft der eigenen Branche diskutieren – und dann auch noch mit jemandem, der eine andere Strategie verfolgt. Den Aufschlag macht Oettinger: Er schimpft auf Konzerne wie Google.
„Die verdienen Milliarden! Der Kapitalismus von heute heißt ‚Werbestrategie von Online-Plattformen’. Und ich würde gerne davon einen Teil dorthin übertragen, wo der Inhalt verantwortet wird: Journalisten in Verlagen. So einfach ist das.“
Der Schlagabtausch beginnt.
„Sie haben einen Tweet abgeschickt, indem Sie ein bisschen infrage gestellt haben, ob Leute, die Nachrichten googeln, wirklich auf den Seiten der Verlage landen. Da gab es ja auch ein paar Antworten von verschiedenen Chefredakteuren.“
Das Argument: Google bringt den Verlagen Leser. Oettinger allerdings: beharrlich.
„Die Zahlen von Zeitungen, die kennen Verleger. Und Chefredakteure eingeschränkt. Also ich wüsste jetzt nicht ein Chefredakteur, der Einnahmen/Ausgaben jeden Tag misst. Das ist nicht sein Job. Sein Job ist der Content. – Ganz ruhig bleiben!“
Aber mit der Ruhe ist es jetzt vorbei – und zwar auf beiden Seiten.
„Müssten nicht eigentlich die Verleger eher an Google als Content-, sozusagen als Content-Interessenten-Lieferant bezahlen?“
(Oettinger überlegt)
„Ja, ich finde es ja gut, dass der Deutschlandfunk Google-Lobbyist geworden ist. Alle Achtung!“
„Es ist halt Tatsache, dass Google nicht zahlen will. Was machen Sie denn, wenn Google auch auf europäischer Ebene nicht zahlt und quasi die ganzen Zeitungen ausgelistet werden? Also da wären Sie ja verantwortlich für noch mehr, also, Einnahmeverlusten von den Zeitungen.“
„Google ist bereit, den spanischen Markt auszublenden. Oder auch den deutschen. Aber nicht den europäischen.“

„Woher wissen Sie das?!“
„Weil ich glaube, dass man 500 Millionen potenzielle Nutzer und Partner nicht ausblenden will.“
Eine Annäherung ist auch nach 52 Minuten nicht in Sicht. Die Gräben scheinen tiefer als zuvor. Der Kommissar in der Kritik.
„In diesen Spezialbereichen des Digitalen, da lernt er offenbar noch jeden Tag hinzu – und da ist vielleicht noch ein bisschen Luft nach oben.“
„Er hat ja den Eindruck vermittelt, dass für ihn halt die Argumente der Verlegerverbände maßgeblich sind. Und ich hatte den Eindruck, dass ihn Einzelmeinungen von Journalisten gar nicht interessieren. Wenn Journalisten sagen, die Fakten, die die Verlegerverbände behaupten, die treffen gar nicht zu, dass ihn das halt gar nicht berührt, sondern dass er sagt, er muss die Meinung der Verbände vertreten und das ist seine Aufgabe als Kommissar.“

Und die scheint unveränderbar – trotz freundlicher Verabschiedung. Nach dem Klassenausflug nach Brüssel muss nun jeder hier mit seinem Verleger reden. Auch eine Hausaufgabe.
>> Beitrag im ZAPP-Youtube-Kanal (Quelle: NDR-“Zapp”)